Förderung

Grenzen und Begrenzen

Kinder und Jugendliche mit Verhaltensproblemen sind meistens nicht in der Lage, sich selbst zu begrenzen. Sie stehen damit in der Situation entweder ständig die Grenzen anderer Menschen zu überschreiten, übergriffig zu werden, oder aber sich selbst nicht nach außen abgrenzen zu können.

Das hat zur Folge, dass die eigene Identität, die auch durch Grenzen gekennzeichnet ist, nicht wahrgenommen werden kann.

Die Entwicklung von Schülern ist durch unterschiedliche Entwicklungsstufen gekennzeichnet. Zunächst einmal muss die Ich-Wahrnehmung entwickelt werden. Das passiert nicht isoliert, sondern immer wieder über Rückmeldungen verbaler und körperlicher Art der Gruppe und des Gesprächspartners über den gemeinsamen Umgang und die gemeinsame Arbeit, die Sache. Das alles ist eingebettet in das Lebensumfeld des Kindes, Globe in der TZI.

Es ist schon viel erreicht, wenn Schüler sich auf eine verbale Begrenzung einlassen können. Das heißt, dass sie auf dem Weg einer Entwicklung zur Wahrnehmung ihrer Persönlichkeit bereits auf der Ebene von möglicher Reflexion angekommen sind. Dem vorgelagert sind aber andere Entwicklungsstufen.

So bedarf es zunächst der Entstehung von positiven Körperwahrnehmungen, um andere Personen in direkter körperlicher Nähe ertragen zu können. Außerdem ist die Entwicklung von Gruppengefühl und –identität ein wichtiger Punkt. Dazu ist wichtig, dass es gemeinsame Regeln für den Umgang miteinander gibt. Dadurch werden die Rechte und Pflichten jedes einzelnen geregelt.

Jeder Schüler soll möglichst ein anerkanntes Mitglied seiner Gruppe / Klasse sein -welche Rolle er hier auch immer einnimmt. Stellt er sich selbst durch sein Verhalten außerhalb dieser Gruppe, werden ihm auf der Ebene von Integrationsangeboten der Gruppe neue Möglichkeiten zum Wiedereinstieg gegeben. Diese sind häufig durch eine gemeinsame positive Bemühung um eine Gemeinschaftsarbeit oder eine Leistung gekennzeichnet. In den meisten Fällen muss dieses Bemühen noch durch den Lehrer moderiert werden.

Vielen Schülern fällt es zunächst sehr schwer, positive Erwartungen an andere Personen und das Eingebunden sein in einer Gruppe zu haben. Sie sind durch Misserfolgserwartungen geprägt. Positive Veränderungen erfahren sie durch Akzeptanz und durch Grenzsetzungen. Diese Grenzsetzungen sind um so wichtiger, als sie für den Schüler einen überschaubaren Bereich definieren, ihm richtungsweisende Orientierung bieten und damit Sicherheit vermitteln den er mit sich selbst, seiner Körperlichkeit, seiner Identität füllen kann. Hier hat er das Recht darauf, selbstbestimmt Dinge und Kontakte erleben zu dürfen. Über diesen individuellen Bereich hinaus gelten aber immer die allgemeinen Regeln, Rechte und Pflichten. Die Mitschüler, vor allem aber die Lehrer achten darauf, dass kein Schüler seinen individuellen Bestimmungsbereich zum Nachteil anderer Personen oder der gemeinsamen Sache ausweitet. In dem Fall muss sofort interveniert werden, um für alle erkennbar die Sicherheit von Grenzen und Begrenzung wieder herzustellen. Wichtig ist, jeweils deutlich zu machen, aus welchem Grund die Intervention erfolgt ist, wo Grenzen verletzt wurden, warum es wichtig ist zu begrenzen. Die Rückmeldung muss immer vor dem Hintergrund der Rolle der Einzelperson, der Gruppe und der gemeinsamen Aufgabe erfolgen.

Für das Anerkennen und Annehmen dieser Bemühungen ist wichtig, dass keine zusätzlichen Störungen durch das Umfeld erfolgen. Hier sind als wichtige Partner vor allen Dingen die Eltern und Erziehungsberechtigten zu nennen.

Gelingt es, die Eltern positiv unterstützend mit in die Bemühungen der Schule einzubinden, so ist hier eine weitere wichtige Grundlage für wahrscheinlich erfolgreiche Entwicklungen gegeben. Das ist in anderer, oftmals aber ebenso wichtiger Art und Weise für die Kooperationspartner gültig. Ist auf der anderen Seite die Kooperationsbereitschaft der Eltern nicht vorhanden, wird möglicherweise sogar gegen die schulischen Bemühungen gearbeitet, führt das auf Dauer zu einer massiven Verschärfung der Problemlage für den Schüler. Aufgabe der Schule ist es dann, diese zusätzliche Belastung für den Schüler durch Kommunikation auf der Erwachsenenebene anzusprechen und zu klären.

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